Die Kunst der australischen Aborigins - ein begeisterter Sammler berichtet von seinen Schätzen.

Mittwoch, 20. März 2019, Gasthof Löwen
Referenten: Beat Knoblauch, lic. jur., Sydney

Ansehen erwirbt man sich in der Kultur der Aborigines durch Wissen und nicht durch materiellen Besitz. Die Kunst ist ein Ausdruck des Wissens und somit eine Art Legitimationsbeweis.

Kunst ist Bestandteil der Hauptrituale in der Kultur der Aborigines: sie markiert Territorien, zeichnet Geschichte auf, unterstützt und übermittelt Erzählungen über die Traumzeit. Ähnlich wie Christen ihre eigene Geschichte über die Schöpfung der Welt haben, beschreibt die Traumzeit der Aborigines die Entstehung der Welt und jeder einzelnen Landschaft.

Bei der Betrachtung der Kunstform der Aborigines ist grundsätzlich auf zwei Interpretationsebenen zu achten: „Den »inneren« Geschichten, die nur für diejenigen bestimmt sind, die über das entsprechende rituelle Wissen verfügen, und den »äußeren« Geschichten, die für alle zugänglich sind.“ Traditionelle Kunst der Aborigines hat fast immer einen mythologischen Unterton, der sich auf die Traumzeit bezieht. Viele moderne Puristen sagen, wenn es keine spirituellen Anteile enthält, dann ist es keine wirkliche Kunst der Aborigines. Wenten Rubuntja, ein Aborigine, der Landschaftskünstler ist, sagt, dass es schwer ist, eine Kunst zu finden, die spirituelle Bedeutung meidet. „Es ist egal welche Art der Malerei wir hier in diesem Land betreiben, es gehört immer noch zu den Leuten, zu allen Leuten. Es ist Anbetung, Arbeit, Kultur. Es ist alles Traumzeit. Es gibt zwei Arten der Malerei. Beide sind wichtig, weil sie Kultur sind.“ 

Ein Aborigine-Künstler, der ein Werk schafft, ist Besitzer und Teilhaber der dargestellten Inhalte, die nur ihm für bestimmte Zwecke zugeteilt sind. Nur er hat das Recht, zeremonielle Muster zu verwenden und spirituelle Inhalte abzubilden. Diese Muster, die anderen gehören, ohne deren Erlaubnis zu verwenden, stellt bei den Aborigines einen schweren Verstoß gegen dieses überlieferte Gesetz dar. Im heutigen Sinne würde dieses „Gesetz“ als Copyright bezeichnet werden.